Trends im Bereich Traktoren auf der Agritechnica 2025: mehr Leistung, mehr Intelligenz, weniger Fahrer

In Hannover zeigen die Unternehmen viele neue Modelle. Neue Kabinen und intelligente Fahrerassistenzsysteme bestimmen die Entwicklungsrichtung. Roboter finden praktische Anwendung.

Auf der Agritechnica werden Konzepte vorgestellt, die keinen Fahrer erfordern, darunter intelligente Assistenzsysteme und elektrisch betriebene Maschinen. Vor allem aber präsentieren die Unternehmen zahlreiche neue Modelle in den Hochleistungsklassen:

Case IH: der neue Farmall 120 M und der neue Puma 185 sowie drei neue Optum-Modelle mit einer Leistung von 360 bis 435 PS, einem 8,7-Liter-Sechszylindermotor und einem verbesserten stufenlosen Getriebe.

Claas: Axion 9 mit komplett neuer Kabine und adaptivem Getriebemanagement (Silbermedaille).

Deutz-Fahr: Standardtraktor der Sechszylinderklasse mit komplett neuer Kabine, die nach und nach auch in den größeren Modellen zum Einsatz kommen wird. Eine weitere Neuheit ist das mit einer Silbermedaille ausgezeichnete Fahrerassistenzsystem.

Fendt: Die Serien 300 und 1000 Vario wurden erheblich überarbeitet. Die Serie 700 Vario mit neuen Motorleistungen und zusätzlichen Optionen. Neu: die Serien 500 (max. 144–174 PS) und 800 (max. 283–343 PS), jeweils mit neuen Motoren und VarioDrive-Getriebe.

JCB: Die neue Serie 6000 als zusätzliche Produktreihe zwischen den Serien 4000 und 8000. Zwei Modelle mit 284 und 335 PS aus einem 6,7-Liter-FPT-Motor. Stufenloses Getriebe ZF Eccom 3.1 (60 km/h) und serienmäßige Allradlenkung.

Lindner: Das neue Spitzenmodell Lintrac 160 LDrive mit einer maximalen Leistung von 175 PS aus einem Vierzylinder-FPT-Motor, stufenlosem Getriebe bis 50 km/h und serienmäßiger Allradlenkung.
Massey Ferguson: Auf der Messe werden die überarbeiteten Spitzenmodelle der Serie 8S mit einer Leistung von 225 bis 305 PS vorgestellt.

New Holland: vier neue T7-Traktoren mit einer maximalen Leistung von 180 und 225 PS, einem deutlich überarbeiteten Steuerungskonzept und einer neuen Vorderachse. Die T5S-Serie mit verbesserter Vorderachse und neuen Getriebefunktionen.

Steyr: Die Plus-Serie, jetzt mit zusätzlichen Funktionen für den Einsatz eines Frontladers, die neue Impuls CVT-Serie.

Valtra: Die überarbeitete G-Serie (von 100 bis 145 PS) mit neuer Hinterachse und optionalem neuen stufenlosen Getriebe.

Versatile: Die Kanadier bringen ihre Standardtraktoren auf den europäischen Markt. Es handelt sich um die Nemesis-Serie (von 195 bis 272 PS max.) mit einem 30/15-Getriebe mit Lastschaltung oder stufenlosem Antrieb (beide von ZF).

Die Goldmedaille in der Kategorie „Traktoren“ geht an Müller Landmaschinen und Aebi für das Line-Traction-System. Dieses System ohne Differentiale regelt automatisch die Drehzahl der vier Räder des Fahrzeugs in Kurven.

Die Welle überträgt die Kraft auf Planetengetriebe in jeder Radnabe. Die Hohlräder in den Endantrieben sind nicht feststehend, sondern werden hydraulisch geregelt, wodurch die Drehzahl verändert werden kann. Die Regelung orientiert sich an dem Rad, das am weitesten von der Kurve entfernt ist. So wird jedes Rad mit der richtigen Geschwindigkeit angetrieben. Das sorgt für eine bessere Traktion und schont den Boden.

Motoren, Abgase und Stromversorgung

Moderne Dieselmotoren sind viel sauberer, als man ihnen nachsagt. Dank AdBlue-Katalysatoren (SCR), Oxidationskatalysatoren (DOC) und Partikelfiltern (DPF) erfüllen die Motoren schon lange die strengen Anforderungen der Abgasnorm Euro 5. Mit den technischen Kosten steigen jedoch auch die Ausgaben erheblich. Übrigens wird das Abgasrückführungssystem (AGR oder EGR), das zu Beginn dieser Entwicklung häufig eingesetzt wurde, immer seltener verwendet.

Die Leistung bei gleicher Zylinderzahl wird weiter gesteigert, gleichzeitig nimmt der Hubraum pro Zylinder zu. Elektronische Einspritzsysteme ermöglichen es den Motoren, bereits bei niedrigen Drehzahlen im Bereich von 1500 bis 1600 U/min ihre volle Leistung zu entfalten, was sie sparsamer macht. Die Unternehmen arbeiten an Lösungen, mit denen die Motorcharakteristik automatisch an die aktuellen Betriebsbedingungen angepasst werden kann, um so Dieselkraftstoff zu sparen.

Auf der letzten Agritechnica 2023 standen aufgrund der Energiekrise 2022 alternative Antriebskonzepte und Kraftstoffe im Mittelpunkt. Die Unternehmen entwickeln diese Konzepte weiter. Aufgrund der geringeren Energiedichte und der derzeit relativ ruhigen Lage im Energiesektor stehen diese Projekte jedoch derzeit im Hintergrund. Dieselkraftstoff dominiert weiterhin, zumindest in den höheren Leistungsklassen.

Elektroantriebe in der Entwicklung

Im unteren Leistungsbereich sind nun Traktoren mit Elektroantrieb erhältlich. Fendt hat den e100 Vario in Serie gebracht. Bei dieser Maschine ersetzt ein Elektromotor den Verbrennungsmotor, die übrige Kraftübertragung ist baugleich. Der Traktor entwickelt eine Nennleistung von 68 PS und hat eine Spitzenleistung von 90 PS.

John Deere präsentiert den Prototyp E-Power mit einer Dauerleistung von 130 PS, der in erster Linie für Obst- und Weingüter sowie für den autonomen Betrieb entwickelt wird. Die Maschine ist mit einer leistungsstarken Batterie aus eigener Produktion mit einer Kapazität von 196 kWh ausgestattet. Im Jahr 2021 erwarb John Deere die Mehrheitsanteile am österreichischen Batteriehersteller Kreisel Electric.

Der chinesische Hersteller ZSHX plant die Vorstellung des vollelektrischen Traktors XEEVO (mit einer Leistung von bis zu 120 PS), der sich durch einen günstigeren Einstiegspreis auszeichnen wird.

Aus Indien gibt es Informationen über die Entwicklung eines Traktors mit Diesel-Hybridantrieb. Zoomlion präsentiert eine Hinterachse mit zwei Elektromotoren im oberen Leistungsbereich, die entweder gemeinsam den Antrieb oder separat den Antrieb und die Zapfwelle übernehmen. ZF hat den Antriebsstrang eTerradrive speziell für Elektrotraktoren mit einer Leistung von bis zu 100 kW entwickelt. Fahrantrieb, Zapfwelle, Arbeitshydraulik und Hubwerk bilden eine kompakte Einheit.

Neue Kabinen und Assistenzsysteme

Im Mittelpunkt stehen in diesem Jahr neue Kabinen, erweiterte Bedienkonzepte und Assistenzsysteme. Mit Spannung erwartet werden die Premieren der neuen Kabinen bei Deutz-Fahr und Axion 900 von Claas.

Im Bereich Fahrerassistenzsysteme gibt es zwei Silbermedaillen: Deutz-Fahr präsentiert TAGS, das in verschiedenen Varianten Funktionen umfasst, die auch in Lkw zum Einsatz kommen: unter anderem Spurhalteassistent, Abbiegeassistent sowie Objekt- und Personenerkennung, Tempomat (auch auf dem Feld, z. B. beim Häckseln). Die Basis bilden verschiedene Kamera- und Sensorsysteme.

Claas präsentiert für die neuen Axion-Modelle ein mit Silber ausgezeichnetes adaptives Getriebemanagementsystem. Dieses Konzept speichert beispielsweise den Leistungsbedarf beim Anbau eines Bodenbearbeitungsgeräts und wirkt diesem dann aktiv entgegen, um ein „Durchdrehen” zu vermeiden. Es gibt noch weitere Funktionen, die beispielsweise den Motor im effizientesten Drehzahlbereich halten.

Im Bereich der Lastsensor-Hydraulik geht der Trend zu elektronischen Lösungen, die in Zukunft das derzeit noch erforderliche LS-Steuerkabel überflüssig machen sollen. Das elektronisch geregelte LS-System gehört bereits zur Serienausstattung einiger aktueller Fendt-Modelle, und auch Keiler von Ropa verfügt bereits über ein elektronisches LS-System. Der Vorteil liegt vor allem in einer präziseren und schnelleren Regelung im Vergleich zu herkömmlichen Systemen.

Alles hängt vom Reifendruck ab

Die Druckregulierung wird komfortabler: Immer mehr Hersteller bieten werkseitig eingebaute Reifendruckkontrollsysteme an.

Nokian Tyres präsentiert den Silbermedaillengewinner, einen Reifensensor, der die Belastung ermitteln kann. Das System Intuitu Smart Pressure Assistant berücksichtigt bei der Messung die Geschwindigkeit und den Zustand der Fahrbahn, um maximale Genauigkeit zu gewährleisten. Eine Smartphone-App gibt dem Fahrer entsprechende Empfehlungen. Bei einer Nutzungsänderung können die Messwerte innerhalb kurzer Zeit aktualisiert werden.

Trelleborg präsentiert die neue Reifenserie TM 900 ProgressiveTraction, die speziell für große Traktoren und schwere Zugarbeiten entwickelt wurde.

Der neue JCB Fastrac 6000 kann ebenfalls mit einem Reifendruckregelsystem ausgestattet werden. Darüber hinaus kann er querfahren, was den Boden noch schonender schont.

Häufiger ohne Fahrer

Unternehmen entwickeln weiterhin unbemannte Systeme. Hier gibt es zwei Ansätze: Auf der einen Seite stehen hochspezialisierte Roboter, die vor allem in Sonderkulturen und im Gemüseanbau eingesetzt werden. Auf der anderen Seite stehen Fahrzeuge, die klassische Traktorarbeiten in der Landwirtschaft übernehmen und mit Standard-Dreipunktgeräten ausgestattet werden können.

Lösungen bieten insbesondere Krone und Lemken mit dem VTE 3.0, der in der dritten Generation vorgestellt wird.

Kuhn bietet ein verbessertes Karl-Konzept an. Nach eigenen Angaben verfügt AgXeed bereits über eine Reihe von Maschinen, die unter realen Bedingungen eingesetzt werden. Auf der Messe werden die Niederländer ihr neues Fahrzeug vorstellen.

Die meisten auf dem Markt erhältlichen „Traktorsysteme“ arbeiten nach wie vor im „automatischen“ Modus – die Roboter bewegen sich auf vorab geplanten Routen und ziehen Geräte mit festen Einstellungen. Bei Störungen geben sie einen Alarm aus, woraufhin jemand zum Feld fahren muss.

Bei „teilautonomem“ Einsatz bewegen sich die Fahrzeuge frei und optimieren ständig die Fahrroute und die Einstellungen der Geräte.

Der vollständig autonome Betrieb ist noch Zukunftsmusik. Zunächst müssen Sensoren die Arbeitsqualität bewerten, Störungen erkennen und das Fahrzeug entsprechende Maßnahmen ergreifen (z. B. beschleunigen/verlangsamen, Geräte anheben/absenken usw.).

Krone erhält die Silbermedaille für OptiSet, ein System zur automatischen Einstellung des Kreiselhebers, das auch für den Einsatz mit einem Feldroboter geeignet ist.