Kartenbasierte Bearbeitung, präzisere Ausrichtung der Düsen mit geringem Abtrag über der Zielfläche, berührungsloses Nachfüllen von Medien und höhere Effizienz: Der Trend zu mehr Produktivität und Präzision hält an.
Wenden Sie Herbizide nur dort an, wo unerwünschte Pflanzen wachsen, ohne sofort die gesamte Fläche zu behandeln: Bereits auf der Agritechnica 2023 war das sogenannte punktuelle Sprühen ein wichtiger Trend. Es gibt zwei Methoden: online und offline. Bei der Online-Methode erkennen hochauflösende Kameras, die an der Spritzstange angebracht sind, beispielsweise Ecopatch von Kverneland, Unkraut in Echtzeit und steuern einzelne Düsen oder Sektionen. Vorteil: Es ist kein separater Arbeitsgang erforderlich. Allerdings ist diese Technologie in der Regel relativ teuer und an ein einziges Spritzgerät mit Kameras gebunden.
Die Offline-Methode basiert auf Ausbringungskarten, die beispielsweise von Dienstleistern auf der Grundlage von Drohnenbildern erstellt werden. Alle Spritzen mit Isobus-Funktion „Variable Rate” und Druckumlaufsystem können diese Karten verarbeiten, sofern die Leistung des Bordcomputers dies zulässt. Wenn hier Einschränkungen bestehen, können statt einzelner Düsen einzelne Sektionen gesteuert werden (Patch Spraying). Vorteil der Offline-Methode: niedrigere Einstiegsschwelle, genauere Berechnung der Ausbringmenge. Für die Erstellung digitaler Karten sind jedoch aktuelle Drohnenbilder erforderlich.
Derzeit gibt es mehr Anwendungen im Offline-Bereich. Drohnen werden günstiger, Unternehmen arbeiten daran, Datenmengen bereits während des Fluges zu komprimieren, Cloud-Programme werden für Nutzer komfortabler und die Anzahl der Anbieter steigt, was die Kosten senkt. Amazone und Claas zeigen eine Lösung für Grünlandflächen, die ohne Drohnenflüge auskommt: Hier erkennt eine Kamera beispielsweise Sauerampfer direkt während des Mähens.
Präzise Steuerung der Spritzgestänge
Die Hersteller von Landmaschinen haben das Steuerungssystem für Spritzgestänge weiter verbessert. Dies ist eine der Voraussetzungen für eine präzise Ausrichtung. In den letzten Jahren haben die meisten Anbieter aktive Systeme mit Ultraschallsensoren vorgestellt. Dammann nennt sein Steuerungssystem für Spritzgestänge AgriBalance. Dabei gleicht eine Kombination aus Sensoren, Hydraulikventilen und Zylindern Bewegungen und Neigungsänderungen aus. Kuhn bietet das Gestänge-Steuerungssystem Eagle an, das in zwei Varianten erhältlich ist: mit zwei Ultraschallsensoren und in der Pro-Version mit vier Sensoren und variabler Gestängegeometrie.
Ultraschallsensoren erfassen die Oberfläche jedoch nur punktuell und im Nahbereich. In diesem Fall muss das Gestänge-Höhenregelsystem sehr schnell reagieren. Hohe Geschwindigkeiten, Lücken in der Vegetation, Reflexionen vom Sprühstrahl und sehr unebenes Gelände bringen diese Systeme an ihre Grenzen. In dem neuen Konzept von Horsch-Leeb kommen 3D-Radarsensoren zum Einsatz. Damit lässt sich die gesamte Oberflächenkontur in einem Radius von 5 bis 10 m erfassen.
Das proaktive BoomControl-System kann dann auf Basis dieser Daten eine frühzeitigere Regelung vornehmen und so den Abstand zur Zielfläche genauer einhalten. Die Radar-Informationen zur Bestandsdichte stehen auch als Daten für Ausbringungskarten zur Verfügung. Horsch plant, das mit Silber ausgezeichnete proaktive System BoomControl zunächst in den „wachstumsstarken Märkten“ Amerika und Australien anzubieten.
Impulsgesteuerte Zerstäubung
Pulsbreitenmodulierte (PWM) Düsenventile wie iXflow-Pulse von Kverneland schalten sehr schnell um. Bei PWM bestimmt nicht nur der Druck die Sprühmenge, sondern auch ein elektrisches Ventil, das bis zu 50 Mal pro Sekunde öffnet und schließt und die Menge über die Öffnungsdauer (Impulsbreite) reguliert. PWM erweitert den Durchflussbereich der Düse im Vergleich zur reinen Druckregelung erheblich. Durch die separate Ansteuerung jedes Ventils sind unterschiedliche Durchflussmengen über die Breite der Gestänge möglich. So lassen sich beispielsweise Kurven ausgleichen, in denen das äußere Ende des Gestänges deutlich schneller fährt als das innere.
Neben all den Vorteilen hat PWM auch Nachteile: Die Düse muss für die Impulsabgabe geeignet sein, bei höheren Geschwindigkeiten nimmt die Genauigkeit der Längsverteilung aufgrund der Ein-/Ausschaltimpulse ab und unzählige Schaltzyklen begrenzen die Lebensdauer der Ventile.
Amazone präsentiert ein eigenes Ventil mit erweiterten Funktionen: Pulsweiten- und Frequenzmodulation (PWFM). Hier kann nicht nur die Pulsweite, sondern auch die Frequenz bis hin zur Daueröffnung bei konstanter Geschwindigkeit geregelt werden. In Kombination mit einem hochpräzisen Druckregler erweitert PWFM zusätzlich den Einsatzbereich der Düse. Eine Alternative zur PWM, auch für die Punktspritzung, sind automatisch schaltende Mehrfachdüsenhalter, die unabhängig voneinander geschaltet werden können, wie beispielsweise Multi-Spray V2025 von altek. Auch hier sind komfortable Funktionen wie Kurvenausgleich möglich.
Neue Maschinen
Die neuen Modelle setzen die Trends der letzten Jahre fort: große Arbeitsbreiten, große Behälterkapazitäten und eine verbesserte Qualität der Maschinen im mittleren Segment.
Amazone: Der Pantera 7004 erhält mehr Optionen. Dazu gehören das Fahrwerk W mit einer Spurweite von 2,25 bis 3 m, das Steuerungssystem Trimble und das Direkteinspritzsystem DirectInject.
Hardi: Die in Frankreich hergestellte selbstfahrende Maschine Arex feiert in Hannover ihr Debüt. Die Maschine ist mit einem Fassungsvermögen von 5000 und 6000 Litern erhältlich. Der Cummins-Motor leistet 310 PS. Die Maschine verfügt über eine pneumatische Einzelradaufhängung und kann seitliche Neigungen von bis zu 12° ausgleichen. Die Maschine ist mit PWM-Ventilen ausgestattet und für das autonome Punktspritzen vorbereitet. Neben der Navigator-Serie unter den Anhängespritzen hat Hardi die Anbauspritzen der Mega Pro Force-Serie überarbeitet, die mit einem Fassungsvermögen von bis zu 2200 l und einer Arbeitsbreite von bis zu 28 m erhältlich sind.
Horsch: Der Leeb 9LT ist ein Anhängespritzen mit einem Kunststofftank mit einem Fassungsvermögen von 9000 Litern auf einer Achse. Dadurch ist er wendiger als Spritzen mit Tandemachse. Für Tandemachsen präsentiert Horsch DynamicSteering, ein elektronisches Lenkrad-Steuerungssystem für beide Achsen. Der Fronttank CT wird in einer überarbeiteten Version geliefert.
John Deere: Der neue selbstfahrende Spritzwagen 500R hat ein Fassungsvermögen von 4000 oder 5000 l und eine Arbeitsbreite von bis zu 35 m. Die Maschine erreicht eine hydrostatische Geschwindigkeit von bis zu 50 km/h, die Spurweite beträgt 1,80 bis 2,50 m.
Kuhn: Die neuen Anhängespritzen heißen Karan (4500–8000 l). Wahlweise sind Stahl- oder Aluminiumgestänge mit einer Länge von 18 bis 48 m und Eagle-Ausrichtungssystem erhältlich. Die Maschine ist mit einem CTS-Anschluss ausgestattet.
